Thonbrunn

In Thonbrunn gab es vor dem II. Weltkrieg 4 Gasthäuser. Von denen sind 3 Objekte überliefert worden, es sind jedoch keine Gasthäuser mehr.

Poz. Nr. Gasthaus 1893 1906 1930 1941
1 31 Bierschank Zum grünen Wald W. Merz x x x
2 23/144 Zum grünem Baum Adam Hilf Adam Hilf Karl Hilf Otto Fuchs
3 80 Gasthaus Martin Friedrich Penzel Friedrich Penzel Eduard Martin Eduard Martin
4 33 Bierschank Maschine Johann Wunderlich x x x
5 87 Schwankwirtschaft Neuenteich x Johann März (N) Hermann Riedel (N) Eduard Wild
6 108 Gasthaus Künzel x x Heinrich Wunderlich Bernhard Künzel
    Gesamt 4 3 4 4

1

Bierschank Zum grünen Wald, Nr. 31

Das Anwesen wurde um 1800 von Johann Michael Geussmann erbaut. 1824 kaufte das Neustadter Anwesen Nr.31 der Bräuer Johann Paul Penzel aus Bad Brambach. Ein Jahr später hatte er hier ein Wirtshaus eingerichtet. Penzel setzte dann den Erbauer des Hauses als Pächter ein. Da ein Maß Bier damals 1 Batzen kostete, trug der Bierschank Zum grünen Wald den namen „Batzn-Häusel“. Nach 1830 kaufte das Haus Heinrich Loos, Fleischer und Schankwirt aus Thonbrunn. Dieser wurde später von einem volltrunkenen Gast, Kaspar Hoffman aus Nr.20, der von einer verlorenen Gerichtsverhandlung kam, erstochen. Die Witwe heiratet dann 1839 den Bruder seines verstorbenen Mannes Ferdinand Loos. Sie hatten noch eine Pflegetochter namens Wilhelmine Fülle. 1861 heiratete sie Johann Christian Martin, Weber aus Krugsreuth, und übernimmt 1864 die Gastwirtschaft von den Pflegeeltern seiner Frau. 1906 übernimmt dann der Sohn Adam Martin das Haus und vergrößert die Landwirtschaft durch Ankauf weiterer Grundstücke. Er wendet sich mehr und mehr der Landwirtschaft und das Gasthaus geht anfangs des 20. Jahrhunderts zu Grunde.

Das Anwesen ist bis zu heutigen Tagen überliefert worden. Das Haus ist ein von den wenigen, die in dieser Gegend dauerhaft bewohnt sind.

Haus Nr.31 Adam Martin

Haus Nr.31 in den 1930er Jahren, rechts dann Adam Martin

Heutiges Aussehen des Gasthauses Zum Grünen Baum (2012) Heutiges Aussehen des Gasthauses Zum Grünen Baum (2012)

Heutiges Aussehen des Hauses Nr.31, Winter 2013 ‌ © Thonbrunn


2

Gasthaus Zum grünen Baum, Nr. 23/144

In der Mitte des einstigen Dorfes Thonbrunn stand das Gasthaus „Zum grünen Baum“ Nr. 144. Das Gasthaus ist schon auf der Landkarte des stabilen Katasters von 1841 aufgeführt. Ursprüngliche Gaststätte befand sich im Haus Nr. 23, das um 1780 von Johann Christoph Hülf gebaut wurde. Als erster Schankwirt und Pächter wird ein Johann Wolfgang Wölfel aus Schönlind genannt. Von Christoph Hülf hatte das Anwesen sein Patenkind Johann Wolfgang Hülf geerbt. Durch einen Schreibfehler der damaligen Kanzlei wurde inzwischen der Name Hülf in Hilf abgeändert. Sein Sohn, Friedrich Hilf, der von 1865-1871 auch Ortsvorsteher von Thonbrunn war, erwarb benachbartes Anwesen Nr. 12 mit allen Grundstücke und besaß damit neben der Gastwirtschaft auch noch eine Landwirtschaft. Sohn des Friedrich Hilf Adam baute um die Jahrhundertwende (1899/1900) den Saal um und vergrößerte ihn. Die nachfolgenden Erben Karl und Emma Hilf tragen im Jahre 1929 die am Saale hängende Vereinsstube ab und bauten ein neues großes Gasthaus auf, das die Hausnummer 144 erhält. Am 16.11.1930 wurde diese Gaststätte feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Das ursprüngliche alte Landgasthaus wurde dann an den Konsumverein als Laderaum vermietet. Der Pächter war Max Grimm aus der Nr. 64, der das Ladengeschäft bis Herbst 1938 führte. Karl Hilf verkauft dann im Jahre 1931 das Gasthaus an Otto und Ida Fuchs, die es bis zur Vertreibung 19466 bewirtschaftet haben. In der Gaststätte wurden zwar keine Tanzabende veranstaltet, es war jedoch der Sitz von mehreren Thonbrunner Vereinen. Größter war wohl der Arbeiter-, Turn- und Gesangverein, der nach dem I. Weltkrieg für einige Jahren sogar eine siebenköpfige Bläsergruppe hatte. Auch die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr löschten hier gerne den Durst nach den anstrengenden Übungen. Das Feuerwehrhäuschen steht gleich neben dem Gasthaus bis heute.

Die ehemalige Gaststätte ist bis heutigen Tagen überliefert worden und ist sogar bewohnt, es ist jedoch in einem trostlosen Zustand, die Besitzer führen seit Jahren praktisch keine Instandhaltung durch.

PUrsprüngliches Gasthaus Adam Hilf

Ursprüngliches Gasthaus Adam Hilf (links), in der Mitte ist ein Teil des Tanzsaales zu sehen (mit dem Rundbogenfenster),
dieser wurde später mit dem Neubau verbunden

Gasthaus Zum Grünen Baum um 1940

Gasthaus Zum Grünen Baum um 1940, links ursprüngliche Gaststätte Haus Nr. 23

Gasthaus Zum Grünen Baum (2012) Gasthaus Zum Grünen Baum (2012)

Heutiger trostloser Zustand der ehemaligen Gaststätte Zum Grünen Baum - Winter 2012 ‌ © Thonbrunn


3

Gasthaus Martin, Nr. 80

Gleich oberhalb des Schulhauses stand einst ein weiteres Gasthaus. Erbaut wurde es von Ascher Bürger Johann Wießner. 1882 übernahm es sein Sohn Johann Wießner und verkaufte es noch im gleichen Jahr Friedrich Penzel. Er baute dann noch einen großen Tanzsaal an. Seine Tochter Berta heiratete Max Martin (aus Nr.7), der das Gasthaus im Jahre 1912 käuflich erwarb. Max Martin ist jedoch im 1. Weltkrieg gefallen. Die Witwe heiratete dann 1924 den Bruder ihres Mannes, Eduard Martin, der in den Jahren 1932-1940 auch Bürgermeister von Thonbrunn war. Diese Gaststätte beherbergte wegen ihrer geeigneten Gesellschaftsräume auch mehrere Thonbrunner Vereine (darunter den Geseligkeitsverein Edelweiß und den deutsch-völkischen Turnverein, dessen Turn- und Sportplatz sich am angrenzenden Schulgrundstück befand). Die Gaststätte wurde bis zur Vertreibung 1946 bewirtschaftet.

In den 1960er Jahren wurde das ehemalige Gasthaus als Lagerhaus für landwirtschaftliche Düngemittel verwendet, abgerissen wurde das Objekt am Ende der 1960er Jahre. Geblieben sind nur die hochgewachsene Bäume.

Hostinec Friedrich Penzel, přelom 19/20.století

Gasthaus Friedrich Penzel, um 1900

Gasthaus Martin Gasthaus Friedrich Penzel, um 1900

Die Postkarte vom Anfang des 20. Jahrhunderts, rechts das Schulhaus und dahinten das Gasthaus, die Bäume stehen dort bis heute,
Sammlung von Peter Fritsch, Luxembourg

Gasthaus Martin um 1920

Gasthaus Martin, um 1920


4

Bierschänk Maschine, Nr. 33

In den 1880er Jahren befand sich im Objekt der damaligen Neuenteicher Spinnerei ein kleiner Auschank mit dem Kegelbahn, der „Bierschank Maschine“ genannt wurde. Deren Pächter war Johann Wunderlich, der nach dem Abriss der alten Schänke ein neues Gasthaus oberhalb der Bahnhaltestelle erbaute (siehe nachfolgendes Gasthaus). Es ist keine Aufnahme dieser Schänke überliefert worden.

Bierschank auf der Landkarte des stabilen Katasters von 1841

Ein Ausschnitt aus der Landkarte des stabilen Katasters von 1841


5

Schwankwirtschaft Neunteich, Nr. 87

Unweit von dem Thonbrunner Bahnhof befand sich die Schankwirtschaft Neuenteich. Es wurde 1895 von Johann Wunderlich erbaut. Er war vorher Wirt in der Neuenteicher Spinnerei und wurde deshalb auch „Maschina-Wirt“ genannt. 1903 verkaufte Wunderlich das Gasthaus an Reinhold Richter aus Rossbach. Familie Richter verkauft dann die Gaststätte 1937 weiter dem Thonbrunner Milchhändler Eduard Wild (1896-1989). Familie Wild hatte die Wirtschaft bis zur Vertreibung 1946 bewirtschaftet.

Das Gasthaus wurde als einziges auch nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung von den Tschechen betrieben. Um 1980 wurde die Gaststätte „U Kaštanu“ von Genossen aus der Thonbrunner Spinnerei gefühllos umgebaut, der alte gemütliche Saal wurde abgerissen und durch eine monumentale Halle ersetzt. Der Betrieb der Wirtschaft wurde 2002 beendet. Heutzutage wird das ehemaliges Gasthaus als Wohnhaus benutzt.

Gasthaus Schankwirtschaft, um 1900

Gasthaus Neuenteich, um 1900, rechts unten die alte Bahnhaltestelle, noch vor dem Bau des Bahnhofes

Gasthaus Schankwirtschaft, Anfang des 20. Jahrhunderts Gasthaus Schankwirtschaft, Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Gaststätte ohne den Saal-Anbau

Gasthaus Neuenteich

Gasthaus mit dem Saal-Anbau, Foto: Sammlung von Petr Strnad

Gasthaus Neuenteich

Die Anzeige von 1906

Gasthaus Schankwirtschaft, um 1900

Eine unscharfe Aufnahme um 1970, noch vor dem destruktiven Umbau des Gasthauses

Gasthaus Schankwirtschaft Frühling 2013 Gasthaus Schankwirtschaft Frühling 2013 Gasthaus Schankwirtschaft Frühling 2013

Ehemaliges Gasthaus Schankwirtschaft, bis 2002 Gaststätte „U kaštanu“, Frühling 2013 ‌ © Thonbrunn


6

Gasthaus Künzel, Nr. 108

An der Friedersreuther Straße wurde einst das Gasthaus „Künzel“ betrieben. Erste Ziegelsteingebäude wurde 1905 von Johann Wunderlich erbaut. Sein Sohn Heinrich baute es dann zu einer Gaststätte um. Nach seinem Tod tauschte seine Ehefrau Mathilde das Gebäude 1934 gegen das Haus Nr.76 des Bernhard Künzel ein. Er musste bei diesem Tausch noch einen Betrag von 40.000 Kronen zuzahlen. Danach bewirtschafteten Bernhard und Pauline Künzel die Gastwirtschaft bis zur Vertreibung 1946.

Das Haus ist bis zu heutigen Tagen überliefert worden, es ist jedoch keine Gaststätte mehr.

Gasthaus Künzel, 1940er Jahren
Heutiges Aussehen des Gasthauses Zum Grünen Baum (2012)

Ehemaliges Gasthaus Künzel, Winter 2013 ‌ © Thonbrunn


Thonbrunn Luftaufnahme von 1948

Die Luftaufnahme von 1948, einzelne Gasthäuser sind mit den Pfeilen und Nummern gekennzeichnet.

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Kontakt: thonbrunn@gmail.com ⁄ © Slavomír Michalčík 2014